Info zum Buch „Baku – Stadt der schlagenden Winde“


Dieses Buch beabsichtigt, den Blick auf das verschwindende kulturelle Erbe Bakus freizugeben, stellvertretend für die globalisierte Entwicklung vieler Staaten des ehemaligen Ostblocks. Ziel ist es, ein Publikum für die Verantwortung in dieser Entwicklung zu sensibilisieren, den Blick für globale gegenseitige Abhängigkeiten zu schärfen.

Im Rahmen seiner Diplomarbeit hat der Fotograf Sebastian Burger Baku besucht. Er dokumentiert in seinen Bildern die ästhetischen Auswirkungen der sozioökonomischen Veränderung Bakus.

Er zeigt uns das Bestehende, das sich Verändernde, das Neue, das Alte und wie sich der Mensch darin zurechtfindet.

61 Fotografien und eine Infografik. Dreisprachig (D, ENG, AZ), ISBN 978-3-00-032767-4


Ergänzt werden die Bilder durch Texte der Architektin Oriana Kraemer, weiter unten eine Leseprobe.


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Ansichten der normalen Buches, der Makel Edition sowie der art edition (+ Beton-Schuber):





Baku Makel Edition: Buch mit leichtem Bindeschaden, dafür mit signiertem und limitiertem Barytprint. Auflage: 150, Preis: 38 €

Baku Makel Edition: Buch mit leichtem Bindeschaden, dafür mit signiertem und limitiertem Barytprint. Auflage: 150

Eine art edition: Buch + hand gefertigter Beton-Schuber / art edition consisting of a book + hand made concrete slipcase





Eine art edition: Buch + hand gefertigter Beton-Schuber / art edition consisting of a book + hand made concrete slipcase

 


Leseprobe aus Oriana Kraemers sieben-seitigem Artikel zu Beginn des Buches:


[…] Wenn man die zahlreichen geringfügigen Modifizierungen und Korrekturen bedenkt, die an einzelnen Buchstaben sowohl im lateinischen als auch im kyrillischen Alphabet vorgenommen wurden, kommt man sogar auf mindestens zehn Änderungen innerhalb des 20. Jahrhunderts.

Der Wechsel der Schrift hatte nicht nur die Analphabetisierung ganzer Bevölkerungsschichten zur Folge, sondern auch gravierende Auswirkungen auf die Kulturgeschichte des Landes. Orthografische Verunsicherung ist nur eines der Probleme. Mit jedem Wechsel ging auch literarisches Erbe verloren. Ein großer Teil historischer Quellen konnte nicht mehr genutzt werden, weil die Aufzeichnungen entweder zerstört oder nicht mehr „politisch korrekt“ waren oder von der jüngeren Generation einfach nicht mehr gelesen werden konnten, da in einer anderen Schrift geschrieben. Sich kulturell ohne Wurzeln zu fühlen, kommt aber einer Verwaisung gleich. Dafür lässt heute der wieder erwachende Nationalismus die Popularität alter aserbaidschanischer Schriftsteller aufblühen, vorsowjetisches Kulturgut erlebt eine Renaissance. Obwohl Baku im 20. Jahrhundert als multikulturelle Stadt galt, erfährt die Hauptstadt seit der Unabhängigkeit des Landes einen Trend zur kulturellen Entmischung. Russen und Armenier haben schon vor einigen Jahren in Scharen das Land verlassen, die Schulen wurden zum größten Teil auf aserbaidschanischen Unterricht umgestellt, und im offiziellen Sprachgebrauch wird Russisch nicht mehr verwendet.


Phänomene des Temporären


Der temporäre Charakter der Stadt ist nicht nur kulturell spürbar, er manifestiert sich auch im Stadtbild. Baku ist ein spannendes, aus Bruchstücken seiner städtebaulichen Epochen zusammengesetztes Sammelsurium: Überreste einer mittelalterlichen Medina, eine europäisch anmutende Innenstadt aus der Gründerzeit, die Plattenbauten der sozialistischen Mikrorayons und darüber gesprenkelt an den Hängen der Hügel Hochhäuser.

Seit Ende der 1990er wurde mit dem sogenannten Jahrhundertvertrag die Rahmenbedingen geschaffen, dass der aserbaidschanische Binnenmarkt von den Gewinnen aus dem Ölgeschäft profitiert – seit etwa 2005 geht dies auch tatsächlich auf. Auch ausländisches Kapital strömt in die Stadt und ruft in Baku eine neue gesellschaftliche Schicht ins Leben, die ihr Geld und ihren vermeintlich westlichen Lebensstandard auch zur Schau stellen will. Schwarze Geländewagen verstopfen die engen Einbahnstraßen der Innenstadt auf ihrem Weg zum Designerladen oder in eines der neu eröffneten schicken Restaurants nahe der Metrostation Sahil im Zentrum, wo man meint, in Europa zu sein.

Schon wenige Kilometer nordwestlich von Baku liegt Asien.